Der Kindergeldanspruch im Rahmen des „Erasmus+“-Freiwilligendienstes

Eltern erhalten für ein Kind, welches an einen Freiwilligendienst im Rahmen des Europäischen Programms Erasmus+ teilnimmt, nur dann Kindergeld, wenn der Dienst im Rahmen eines von einer Nationalen Agentur genehmigten Projekts durchgeführt wird.

In dem hier vom Bundesfinanzhof entschiedenen Streitfall absolvierte die Tochter nach Beendigung ihrer Schulausbildung ab September 2018 einen Freiwilligendienst im Europäischen Ausland bei der Organisation X. Die Organisation war als Veranstalter für das von der Europäischen Union eingerichtete Programm Erasmus+ registriert und akkreditiert. Die Familienkasse lehnte die vom Vater beantragte Weitergewährung von Kindergeld ab August 2018 ab.

Die daraufhin vom Vater erhobene Klage hatte vor dem Sächsischen Finanzgericht Erfolg1. Auf die Revision der Familienkasse hat der Bundesfinanzhof nunmehr das Urteil des Finanzgerichts aufgehoben und die Sache an das Sächsische Finanzgericht zurückverwiesen:

Kinder können wegen der Teilnahme an einem Freiwilligendienst nach § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. d EStG für das Kindergeld nur berücksichtigt werden, wenn es sich hierbei um die konkret im EStG –in Verbindung mit den dort genannten Bestimmungen– umschriebenen Dienste handelt. Ein Freiwilligendienst im Rahmen des Programms Erasmus+ kann deshalb nur dann zur Gewährung von Kindergeld führen, wenn er die in der EU-Verordnung Nr. 1288/2013 und den entsprechenden Durchführungsbestimmungen (Programmleitfaden) dargelegten Voraussetzungen erfüllt. Es muss sich danach um eine Tätigkeit im Rahmen eines geförderten Projekts handeln. Ein solches Projekt liegt aber nur vor, wenn es von einer entsprechenden Nationalen Agentur genehmigt worden ist. Nicht ausreichend ist, dass eine Organisation für ein Programm Erasmus+ lediglich registriert und akkreditiert ist.

Nachdem das Finanzgericht bisher keine Feststellungen dazu getroffen hat, ob die Tochter im Rahmen eines von der Nationalagentur anerkannten Projekts tätig geworden ist, konnte der Bundesfinanzhof nicht abschließend entscheiden und verwies die Sache an das Finanzgericht zurück.

Bundesfinanzhof, Urteil vom 1. Juli 2020 – III R 51/19

  1. Sächs. FG, Urteil vom 17.09.2019 – 2 K 1701/18 (Kg) []