Der Kostenbeitrag im Jugendhilferecht – und die Aufklärungspflicht des Jugendhilfeträgers

Die Auf­klä­rungs­pflicht des § 92 Abs. 3 Satz 1 SGB VIII be­steht grund­sätz­lich so­wohl ge­gen­über bar- als auch ge­gen­über na­tu­ral­un­ter­halts­pflich­ti­gen El­tern­tei­len. So­weit sie eine Auf­klä­rung über die Fol­gen für die Un­ter­halts­pflicht ge­gen­über dem jun­gen Men­schen ge­bie­tet, ist ihr bei einem na­tu­ral­un­ter­halts­pflich­ti­gen El­tern­teil ge­nügt, wenn die­ser dar­auf hin­ge­wie­sen wird, dass im Rah­men der Ju­gend­hil­fe der Un­ter­halt des Ju­gend­li­chen aus öf­fent­li­chen Mit­teln si­cher­ge­stellt wird.

Bei der Be­rech­nung des Ein­kom­mens, aus dem El­tern­tei­le zu Leis­tun­gen und Maß­nah­men nach § 91 Abs. 1 und 2 SGB VIII mit einem Kos­ten­bei­trag her­an­zu­zie­hen sind, fin­den die im So­zi­al­hil­fe­recht gel­ten­den Be­rech­nungs­vor­schrif­ten sinn­ge­mäß An­wen­dung, wenn und so­weit das Ju­gend­hil­fe­recht keine spe­zi­el­len Be­stim­mun­gen ent­hält und des­sen Be­son­der­hei­ten dem nicht ent­ge­gen­ste­hen.

Be­steht bei einer nicht­selb­stän­di­gen Er­werbs­tä­tig­keit die be­rech­tig­te Er­war­tung, dass der Pflich­ti­ge hier­mit im Leis­tungs­zeit­raum im We­sent­li­chen gleich­blei­ben­de mo­nat­li­che Ein­künf­te er­zielt, ist die Be­hör­de be­rech­tigt, aus dem Ge­samt­ein­kom­men das vor dem Leis­tungs­zeit­raum über eine län­ge­re Zeit er­zielt wurde, ein mo­nat­li­ches Durch­schnitts­ein­kom­men zu er­mit­teln und die­ses der Be­rech­nung des mo­nat­li­chen Kos­ten­bei­trags zu­grun­de zu legen.

Bei der Er­mitt­lung des für den Kos­ten­bei­trag ma­ß­geb­li­chen be­rei­nig­ten Ein­kom­mens sind die mit dem Ein­kom­men des bei­trags­pflich­ti­gen El­tern­teils ver­bun­de­nen Steu­ern und Steu­er­vor­aus­zah­lun­gen im tat­säch­lich ge­leis­te­ten Um­fang ab­zu­zie­hen.

Eine mo­nat­lich auf das Ein­kom­men zu ent­rich­ten­de Steu­er­zah­lung ist bei der Be­mes­sung der Höhe des Kos­ten­bei­trags in­so­weit nicht zu be­rück­sich­ti­gen, als sie der Bei­trags­pflich­ti­ge durch einen Wech­sel der Steu­er­klas­se her­bei­ge­führt hat, für den keine schutz­wür­di­gen Grün­de vor­lie­gen und des­halb an­zu­neh­men ist, dass der Steu­er­klas­sen­wech­sel zu­min­dest vor­wie­gend zur Min­de­rung des Kos­ten­bei­trags er­folgt und des­halb rechts­miss­bräuch­lich ist.

Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 11. Oktober 2012 – 5 C 22.11